Der Weg zum ersten Buch - trendQueen schreibt Teil 2


Weiter geht´s mit dem nächsten Teil meines Buches:






Heute ist Dienstag. Man könnte meinen, wer an einem Dienstag Mittag zu Hause sitzt und gerade aus dem Bett gefallen ist, ist arbeitslos. Ich nicht – ich befinde mich zurzeit in einer kreativen Pause. Früher hat man es sich leichter vorgestellt nach dem Studium an Arbeit zu kommen. Doch Schreiben können viele und eine Kolumnisten sucht zurzeit leider keiner.
Wie gerne wäre ich Carrie und würde durch New York stöckeln.
Aber leider ist das hier die knallharte Realität und diese holt mich immer wieder ein!
Morgen gehe ich zum Friseur. Vielleicht nehme ich Emily mit, die könnte auch mal wieder was an Ihren Haaren machen lassen. Braun ist schon lange out! Blond ist der neue Trend. Aber nicht Platinblond, dunkelblond oder weißblond. Neeeeeeein GOLDBLOND. Ich habe mir ja schon ein Bild aus der letzten „Qut now“ geschnitten. Dieses Mädchen ist zwar nicht so hübsch, aber ihr goldblondes Haar ist der Hit. Vielleicht könnte ich mir den Pony wieder abschneiden oder doch lieber lang lassen…

Hannah reiß dich zusammen, wenn du weiter so machst hast du bald 20cm Haaransätze, weil du dir keinen Friseur leisten kannst.
Gedankenverloren setze ich mich an meinen Mac und hämmere Zeile für Zeile alles zum Thema: „Liason am Arbeitsplatz“ in ein Dokument und nach 15 min speichere ich alles und verstaue den Mac in meiner VOLUMINÖSEN Handtasche.
Dieses Adjektiv muss man einfach hervorheben, denn in meine super coole neue Handtasche passt Kleidung für mind. eine Woche (man beachte was Frauen in einer Woche alles benötigen!).
Der Weg ins Badezimmer erweist sich als Tretmienenfeld. Das reinste Chaos in meiner Wohnung, welche sich somit bestens an mein inneres Befinden angepasst hat.
Mein Spiegelbild zu betrachten bereitet mir Vergnügen, wären da nicht diese dunkelblonden Haare, meine immer wieder nachwachsenden Augenbrauen und der kleine Pickel der mich, wie mir vorkommt, mein ganzes Leben begleiten will.
Drei bis zwanzig Handgriffe später stehe ich geschniegelt vor der Haustür bereit die Welt zu begrüßen.

Auf dem Weg zur Brücknerstraße, wo ich mich mit Emily treffen würde, wollte ich noch ein paar Erledigungen im Center machen. Ein Spießrutenlauf, denn einkaufen zu gehen ohne Geld, kann sich schnell als Fehlentscheidung entpuppen.
Erste Station Butlers: Kleine Schalen, Tassen und anderes Küchenzubehör rauben mir den starken Willen, das Center unter 50€ zu verlassen.
Auch die kleinen Dekofische fürs Bad und sonstiger Krimskrams machen mir das Leben schwer…aber 30€ sind ein Kompromiss oder?
Zweite Station: Die Reinigung. Ein lila Abendkleid ohne Träger, welches sich schräg um meine Beine windet. Ich liebe dieses Kleid, ich hatte es erst zwei Mal an, aber ein Hingucker ist es definitiv. Mein erstes Date mit Lorenz und eine Aftershowparty, auf die mich meine alte Freundin Louisa mitgenommen hatte. Das zweite Kleid ist ein cremefarbenes Cocktailkleid, das man hinten wie eine Corsage schnürt- wenn’s mal schnell gehen muss, kann man an der Seite einen Reißverschluss aufmachen.
Der Herr aus der Reinigung legt beide Kleider auf den Tisch. Ich berühre den Stoff des Cocktailkleids und ein kribbeln durchfährt mich. Jim...dieses Kleid trug ich an dem Abend, als Jim und ich uns das letzte Mal gesehen haben, nein ich korrigiere, als Jim unsere Beziehung im Klo runtergespült hat. Wie kann man so blind sein, dass man nicht merkt wie der Mensch, den man am meisten lieb, einen so hintergeht.
In einer großen Seifenblase ist unsere Beziehung geboren. Sie war so schön groß und flog immer höher. Ab und zu flog sie ganz knapp an einem Ast vorbei, aber sie hat ihr Ziel nie aus den Augen verloren.
Und plötzlich einfach so, hebt der kleine Jim in der Seifenblase seinen Finger und lässt ihn nach oben schnellen. Er riskiert, dass ich auf dem knallharten Asphaltboden aufkomme…und genau das ist passiert. Ihr denkt vielleicht, er müsste doch mit mir fallen. Ha! Natürlich nicht, denn er hat schon mit einer anderen Seifenblase geliebäugelt und ist schneller abgesprungen als ich gucken konnte.
Ja nun liege ich auf dem Asphalt und lecke meine Wunden.

„Miss, hey, geht’s ihnen gut?“, der kleine Mann aus der Reinigung mit seinen viel zu großen Augenbrauen reißt mich aus meinen Gedanken und starrt mich verängstigt an.
„Entschuldigung mir ist gerade etwas eingefallen, was ich nicht vergessen darf.“
„ Das scheint ja was ziemlich wichtiges zu sein, junge Frau. 12,80€ macht das dann.“

Ich werfe im das Geld auf den Tisch und laufe so schnell ich kann aus der Reinigung raus auf die Straße. Plötzlich sieht die Welt ganz anders aus. So trist, so grau, so dunkel…

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